Bypass, eine teure Fehlinvestition

Das Gesamtsystem Bypass ist eine sehr teure Fehlinvestition. Die Verkehrsprobleme in Stadt und Agglomeration Luzern sind hausgemacht. Auf der Autobahn um die Stadt Luzern haben 80-85%, über die Seebrücke sogar über 90% den Start, das Ziel oder beides in der Agglomeration bzw. in der Stadt Luzern.
Durch eine Umlagerung auf die Autobahn würde massiv Umweg-Mehrverkehr generiert, ohne die Stadt wesentlich zu entlasten. Dies ist ökologisch aber auch ökonomisch Unsinn. Eine Reduktion der Spuren auf der Seebrücke für den Autoverkehr würde deshalb vehement bekämpft.
Die Finanzierung von Bau und Unterhalt der Spangen und der bestehenden Autobahn von mehreren hundert Millionen Franken müsste der Kanton stemmen. Der Bypass ist eine Lösung aus dem letzten Jahrhundert und bringt der Förderung eines effizienten, umwelt- und menschengerechten Verkehrs nichts.

Am 5. Mai hat das Astra und der Kanton über das Generelle Projekt Gesamtsystem Bypass Luzern informiert. Dieses beinhaltet insbesondere den Tunnel Bypass Emmen-Kriens sowie die Spangen Nord und Süd ab der bestehenden A2.

Braucht es diesen Bypass?

Auch der Bundesrat ist nicht wirklich überzeugt, teilte er doch das Projekt auch in der zweiten Programmbotschaft zur Beseitigung von Engpässen im Nationalstrassennetz erst in das Modul 3 ‘Erweiterter Bedarf‘ der umzusetzenden Projekte ein. Die verfügbaren Mittel aus dem Infrastrukturfonds von 5.5 Milliarden Franken reichen nur für die ersten beiden Module.

80 bis 85% Agglomerationsverkehr

Diese Argumentation wird von den Fakten voll gestützt. Gemäss Aussage von Bundesrätin Doris Leuthard anlässlich der Gotthard-Debatte im Ständerat sind 80-85% des Verkehrs auf der Autobahn um die Stadt Luzern hausgemacht, also städtischer und Agglomerationsverkehr. Somit werden nur 15-20% des Verkehrs den Bypass auch nutzen. Weiter ist auf der Seebrücke in Luzern lediglich 8% des Verkehrs Durchgangsverkehr. Für den Bundesrat ist damit der Nutzen des Bypass und die Wirksamkeit, damit den Verkehr besser zu lenken, weiterhin nicht gegeben. Da das Kosten/Nutzen-Verhältnis des Bypass als ungenügend beurteilt wurde, hat der Bund zudem den Kanton dazu verknurrt, gleichzeitig die Spange Nord zu projektieren. Die Stadt wurde dabei aussen vor gelassen.

Ökonomisch und ökologisch unsinnig

Das Spangensystem mit Bypass würde zu ökologisch und ökonomisch unsinnig langen Umwegfahrten führen, z.B. von den Gebieten Meggen, Adligenswil, Würzenbach ins Hirschmattquartier via Luzernerhof resp St. Anna – Schlossberg – Lochhof/Fluhmühle – Kriens – Langensandbrücke. Flankierende Massnahmen im Zentrum, besonders Beschränkungen für den motorisierten Individualverkehr (MIV) würden aus genau diesen Gründen von den AutomobilistInnen und ihren Verbänden vehement bekämpft.
Wer dürfte über die einzig verbliebene MIV-Spur über die Seebrücke fahren, wo wird der Stau stattfinden? Am Schlossberg hat übrigens der Haupt-Verkehrsstrom das Ziel Luzernerhof – Bahnhof. Zudem ist die Anzahl der ab den Autobahn-Anschlüssen Luzern Zentrum und Kriens Grosshof in die Stadt einfahrenden Fahrzeuge mindestens gleich hoch wie heute. Somit kann mit einem derartig teuren Strassen-Ausbau im Innerstädtischen bzw. Agglomerationsverkehr keine Entlastung erzielt werden.

Laut Aussage vom Astra soll der Bypass keinen Mehrverkehr bringen, obwohl die Strasseninfrastruktur massiv ausgebaut wird. Die Verkehrsleistungen und damit die Immissionen würden aber mit diesem Konzept massiv steigen. Die zusätzlichen Massnahmen wie die Spange Nord und die Spange Süd muss der Kanton bezahlen. Unklar ist auch, wem anschliessend die “alte” Autobahn mit Sonnenbergtunnel gehört. Muss der Kanton diese Strasseninfrastruktur als Stadtautobahn übernehmen und ist somit auch für den Unterhalt und Sanierungen zuständig?

Nachteile für Quartiere

Das Projekt bringt den vom Ausbau betroffenen Quartieren erhebliche Nachteile. Auf Krienser Boden bedeutet der Bypass eine weitere Verkehrsbelastung, mehr Lärm und statt einer Verbesserung eine weitere Verschandelung des Grosshof-Gebietes. Für die Stadtgebiete zwischen Schlossberg und Fluhmühle, durch welche die Spange Nord geführt wird, ist mit mehr Verkehr und Lärm zu rechnen, im Bereich Fluhmühle wird eine breite Strassenbrücke neu die Reuss queren.

Jetzt anpacken

Wir sind überzeugt, dass die Verkehrsprobleme in der Stadt und Agglomeration Luzern jetzt angepackt werden müssen. Einen weiteren Ausbau der Strassen-Infrastruktur mit vielen Nachteilen für die betroffenen Wohngebiete und ohne einen gesicherten Nachweis für eine Aufwertung des Verkehrssystems, lehnen wir ab.

Nachhaltige Mobilität

Notwendig und nachhaltig ist die Umlagerung des Autoverkehrs auf die Flächen-effektiven Verkehrsmittel öV und Velo- und Fussverkehr. Dies hat das Volk der Stadt Luzern mit dem Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität so beschlossen. Wenn in der Region Luzern der öV attraktiv ist und nur noch die wirtschaftlich notwendigen Fahrten mit dem Auto ausgeführt werden, hätten wir keine Probleme. Der Stadtrat hat mit der Mobilitätsstrategie Massnahmen aufgezeigt.

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