Zentrale Fragen bleiben offen

Der Kanton Luzern hat dem Astra eine positive Stellungnahme abgegeben. Und
unterstreicht die seinem Communiqué die Unterstützung durch die Gemeinden.
Das ist nur die halbe Wahrheit.

Heute hat der Kanton bekannt gegeben, dass er dem Bund eine positive
Stellungnahme zum Bypass abgegeben hat. Kein Wunder – ist er doch
Hauptpromotor dieser neuen Autobahn. Die Gemeinden wie auch die kantonalen
Fachstellen würden das Projekt grundsätzlich unterstützen, schreibt der
Kanton in seinem Communiqué. Das ist so nicht falsch, aber es bleiben
gewichtige Fragen offen. So wird den Krienserinnen und Krienser nur eine
vertiefte Abklärung zur Frage einer Überdeckung des Autobahnabschnitts
Sonnenberg bis Schlundtunnel offeriert. Ohne diesen Deckel wird es aber
keine Zustimmung in der Standortgemeinde geben. Verschiedene Gemeinden
verlangen klare flankierende Massnahmen, da sie sonst Mehrverkehr
befürchten, dazu . Die Stadt Luzern bezweifelt den Nutzen der neuen
Reussbrücke und mehrmals wurde kritisiert, dass die berechneten
Verkehrszahlen nicht nachvollziehbar seien. Völlig unklar ist weiter, wie
die Spange Nord quartierverträglich realisiert werden kann.

Das Komitee Bypass- Nein zusammen mit dem VCS wird sich mit aller Kraft dafür  einsetzen, dass der Bypass in dieser Form nicht realisiert wird. Er bringt letztlich mehr Autoverkehr, konkurrenziert den öffentlichen Verkehr und verschlingt Unsummen, die in
sinnvollere Projekte investiert werden sollten.

Die Projekte kosten viel und Nützen kaum

Vernehmlassung zu GP Bypass und VP Spange Nord
Entscheid Ständerat zu Engpassbeseitigung

Vernehmlassung Bypass Spange Nord Komitee Bypass Nein (.pdf zum download)

Obwohl keine formelle Vernehmlassung bei Verbänden und Parteien vorgesehen ist, hat das Komitee “Bypass Nein” zu Handen von Kanton und Bund eine Stellungnahme zum Generellen Projekt Bypass und Vorprojekt Spange Nord verfasst. Die Projekte erzielen nicht die gewünschte Wirkung, um den Verkehr substantiell aus dem Zentrum Luzern zu führen. Damit sind die finanziellen Mittel von Bund und Kanton, die wir Steuerzahlenden aufbringen, nicht wirklich effizient, effektiv und ressourcenschonend eingesetzt. Würden 1.6 Milliarden Franken direkt in den öV, Verkehrsmanagement und Bewusstseinsbildung investiert, könnte viel ökologischer und vor allem auch nachhaltig mindestens das Gleiche erreicht werden.

Die Projekte beinhalten den Ausbau der Nationalstrassen N14 und N2, den Bau des Bypasses, als redundantes System zum bestehenden Cityring, sowie als Zubringerachse die Spange Nord. Das Projekt Bypass befindet sich im Modul 3 der Engpassbeseitigung des Bundes. Damit ist die Finanzierung noch nicht gesichert, eine Realisierung kommt nicht vor 2030. Dies hat in dieser Woche auch der Ständerat nochmals bestätigt. Das Kosten/Nutzen Verhältnis ist ungenügend und man sieht in Bern nicht wirklich einen Handlungsbedarf. Denn nur gut 20% des Verkehrs auf dem Nationalstrassensystemist Durchgangsverkehr. Das heisst das neue System Bypass/Spange Nord alleine hat kaum Auswirkungen auf die Verkehrssituation in der Stadt und der Agglomeration. Nur durch die Lenkung des MIV mittels eines Verkehrsmanagementsystems und durchgehenden Busspuren, kann eine partielle Verlagerung erreicht werden.

Doch neue Strassen induzieren Verkehr. Dass der Bypass keinen zusätzlichen Verkehr erzeugt ist auch durch die Statistik widerlegt. Durch schnellere Verbindungen wird nicht weniger lang, sondern weiter und öfters gefahren. Damit wird die durch die neue Strasse erhoffte Abnahme von Verkehr im Zentrum durch die verursachten Zusatzfahrten gleich wieder aufgefüllt.

Wieso zeigt dies das Verkehrssimulationsmodell nicht? Die Verkehrsmodellierung verfügt über keine genauen Zahlen über Ziel-, Quell- und Binnenverkehr und rechnet mit Annahmen. Um Aussagen über die Effizienz von Bypass, Spange Nord und Verkehrsmanagement und damit Verkehrsentlastung des Zentrums Luzern machen zu können, bräuchte es Verkehrsmessungen mit Hilfe von Ortungsdaten der Fahrzeuge. Dass das Verkehrsmanagement als Teil des Projektes aufgenommen wurde, ist löblich. Doch die Ausgestaltung ist bis jetzt stark vernachlässigt und nicht auf dem gleichen Projektstand wie der Ausbau der Infrastruktur. Entsprechend spiegelt sich auch die vernachlässigte Wichtigkeit der Massnahmen, zuerst wird gebaut und später geschaut was lenkbar ist. Unklar ist zum Beispiel wie auf der Haldenstrasse eine zusätzliche Fahrbahn gebaut werden kann, um die Fahrzeuge über die Zürichstrasse auf die Spange Nord zu lenken. Auch ist die Reduktion je einer Spur auf der Seebrücke mit einer Verringerung des MIV um lediglich 25% unmöglich.

 

Eindeutig ist die jetzige Projektierung der Spange Nord nicht quartierverträglich und als Zufahrtsachse zu einer Autobahn mitten durch die Stadt nicht geeignet. Solange der Lebensraum der StadtbewohnerInnen so stark zerschnitten, der Naherholungsraum zusätzlichen Lärmbelastungen ausgesetzt wird und die Fusswege im Quartier länger werden, ist dieses Projekt quartierschädigend und nicht zukunftsfähig. Eine Weiterverfolgung der Spange Nord ist nur möglich, wenn diese in einem durchgehenden Tunnel geführt wird.

Bypass, eine teure Fehlinvestition

Das Gesamtsystem Bypass ist eine sehr teure Fehlinvestition. Die Verkehrsprobleme in Stadt und Agglomeration Luzern sind hausgemacht. Auf der Autobahn um die Stadt Luzern haben 80-85%, über die Seebrücke sogar über 90% den Start, das Ziel oder beides in der Agglomeration bzw. in der Stadt Luzern.
Durch eine Umlagerung auf die Autobahn würde massiv Umweg-Mehrverkehr generiert, ohne die Stadt wesentlich zu entlasten. Dies ist ökologisch aber auch ökonomisch Unsinn. Eine Reduktion der Spuren auf der Seebrücke für den Autoverkehr würde deshalb vehement bekämpft.
Die Finanzierung von Bau und Unterhalt der Spangen und der bestehenden Autobahn von mehreren hundert Millionen Franken müsste der Kanton stemmen. Der Bypass ist eine Lösung aus dem letzten Jahrhundert und bringt der Förderung eines effizienten, umwelt- und menschengerechten Verkehrs nichts.

Am 5. Mai hat das Astra und der Kanton über das Generelle Projekt Gesamtsystem Bypass Luzern informiert. Dieses beinhaltet insbesondere den Tunnel Bypass Emmen-Kriens sowie die Spangen Nord und Süd ab der bestehenden A2.

Braucht es diesen Bypass?

Auch der Bundesrat ist nicht wirklich überzeugt, teilte er doch das Projekt auch in der zweiten Programmbotschaft zur Beseitigung von Engpässen im Nationalstrassennetz erst in das Modul 3 ‘Erweiterter Bedarf‘ der umzusetzenden Projekte ein. Die verfügbaren Mittel aus dem Infrastrukturfonds von 5.5 Milliarden Franken reichen nur für die ersten beiden Module.

80 bis 85% Agglomerationsverkehr

Diese Argumentation wird von den Fakten voll gestützt. Gemäss Aussage von Bundesrätin Doris Leuthard anlässlich der Gotthard-Debatte im Ständerat sind 80-85% des Verkehrs auf der Autobahn um die Stadt Luzern hausgemacht, also städtischer und Agglomerationsverkehr. Somit werden nur 15-20% des Verkehrs den Bypass auch nutzen. Weiter ist auf der Seebrücke in Luzern lediglich 8% des Verkehrs Durchgangsverkehr. Für den Bundesrat ist damit der Nutzen des Bypass und die Wirksamkeit, damit den Verkehr besser zu lenken, weiterhin nicht gegeben. Da das Kosten/Nutzen-Verhältnis des Bypass als ungenügend beurteilt wurde, hat der Bund zudem den Kanton dazu verknurrt, gleichzeitig die Spange Nord zu projektieren. Die Stadt wurde dabei aussen vor gelassen.

Ökonomisch und ökologisch unsinnig

Das Spangensystem mit Bypass würde zu ökologisch und ökonomisch unsinnig langen Umwegfahrten führen, z.B. von den Gebieten Meggen, Adligenswil, Würzenbach ins Hirschmattquartier via Luzernerhof resp St. Anna – Schlossberg – Lochhof/Fluhmühle – Kriens – Langensandbrücke. Flankierende Massnahmen im Zentrum, besonders Beschränkungen für den motorisierten Individualverkehr (MIV) würden aus genau diesen Gründen von den AutomobilistInnen und ihren Verbänden vehement bekämpft.
Wer dürfte über die einzig verbliebene MIV-Spur über die Seebrücke fahren, wo wird der Stau stattfinden? Am Schlossberg hat übrigens der Haupt-Verkehrsstrom das Ziel Luzernerhof – Bahnhof. Zudem ist die Anzahl der ab den Autobahn-Anschlüssen Luzern Zentrum und Kriens Grosshof in die Stadt einfahrenden Fahrzeuge mindestens gleich hoch wie heute. Somit kann mit einem derartig teuren Strassen-Ausbau im Innerstädtischen bzw. Agglomerationsverkehr keine Entlastung erzielt werden.

Laut Aussage vom Astra soll der Bypass keinen Mehrverkehr bringen, obwohl die Strasseninfrastruktur massiv ausgebaut wird. Die Verkehrsleistungen und damit die Immissionen würden aber mit diesem Konzept massiv steigen. Die zusätzlichen Massnahmen wie die Spange Nord und die Spange Süd muss der Kanton bezahlen. Unklar ist auch, wem anschliessend die “alte” Autobahn mit Sonnenbergtunnel gehört. Muss der Kanton diese Strasseninfrastruktur als Stadtautobahn übernehmen und ist somit auch für den Unterhalt und Sanierungen zuständig?

Nachteile für Quartiere

Das Projekt bringt den vom Ausbau betroffenen Quartieren erhebliche Nachteile. Auf Krienser Boden bedeutet der Bypass eine weitere Verkehrsbelastung, mehr Lärm und statt einer Verbesserung eine weitere Verschandelung des Grosshof-Gebietes. Für die Stadtgebiete zwischen Schlossberg und Fluhmühle, durch welche die Spange Nord geführt wird, ist mit mehr Verkehr und Lärm zu rechnen, im Bereich Fluhmühle wird eine breite Strassenbrücke neu die Reuss queren.

Jetzt anpacken

Wir sind überzeugt, dass die Verkehrsprobleme in der Stadt und Agglomeration Luzern jetzt angepackt werden müssen. Einen weiteren Ausbau der Strassen-Infrastruktur mit vielen Nachteilen für die betroffenen Wohngebiete und ohne einen gesicherten Nachweis für eine Aufwertung des Verkehrssystems, lehnen wir ab.

Nachhaltige Mobilität

Notwendig und nachhaltig ist die Umlagerung des Autoverkehrs auf die Flächen-effektiven Verkehrsmittel öV und Velo- und Fussverkehr. Dies hat das Volk der Stadt Luzern mit dem Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität so beschlossen. Wenn in der Region Luzern der öV attraktiv ist und nur noch die wirtschaftlich notwendigen Fahrten mit dem Auto ausgeführt werden, hätten wir keine Probleme. Der Stadtrat hat mit der Mobilitätsstrategie Massnahmen aufgezeigt.